Friedensperspektiven für das 21. Jahrhundert

Universal Peace Federation Deuschland e.V. startet neue Friedensinitiative

 

Berlin, 15.03.2009

Unter dem Thema „Friedensperspektiven für das 21. Jahrhundert“ organsierte die UPF-Deutschland eine ganze Reihe von Projekten/Veranstaltungen am vergangenen Wochenende in Berlin. Der internationale Rahmen dafür ist die „Global Peace Tour 2009“, an der bis zun 15. Mai 194 Länder teilnehmen werden.

Die Berliner Veranstaltungen begannen am Freitag mit einem Service-Projekt; das von der UPF in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendhilfswerk ARCHE und der Jugendorganisation Youth Service Initiative (YSI)organisiert wurde. Das 1995 in Berlin-Hellersdorf gegründete Jugendhilfswerk bietet Hausaufgabenbereuung und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche aus den untersten Schichten unserer Gesellschaft. In Zusammenarbeit mit den YSI Jugendlichen wurden mehrer Spielplätze saniert. Abends ging es dann gemeinsam zum Schlittschuhlaufen.

herzogAm nächsten Tag begann das gleichnamige Symposium im Maritim proArte Hotel mit etwa 100 Teilnehmern, die teilweise aus der ganzen Bundesrepublik anreisten. Moderiert von Karl-Christian Hausmann, Vorsitzender der Familienföderation e.V., begann das Symposium mit der Begrüßung durch Amir Mohammed Herzog, Gründer und Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime und Freunde des Islam Berlin e.V. Gleich zu Beginn entzündete er eine Kerze und lud zu einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Winnenden, Baden Württemberg, ein. Dann machte er noch ausdrücklich auf den Friedensmarsch und die Kundgebung am Brandenburger Tor aufmerksam: „Wir marschieren auch bei Regen!“

Karl Meier, Vorsitzender der UPF-Deutschland, verwies in seiner Begrüßungsansprache auf die mangelde Einhaltung der Menschenrechte in vielen Teilen unserer Welt: „Alle Menschen haben einen gemeinsamen Ursprung und die gleiche Würde.“ Die Weißen im industriellen Westen hätten die Gewohnheit, mit Geringschätzung auf die Menschen der Dritten Welt zu blicken. Dabei könnten sie, was Zwischenmenschlichkeit und Gemeinsinn anbetrifft, viel von ihnen lernen.

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Die Familie gab es schon vor dem Staat und ist diesem vorgeordnet

Hedwig v. Beverfoerde, die Wert darauf legt, zuerst als Hausfrau und Mutter von drei Kindern vorgestellt zu werden, ist Diplombetriebswirtin und Gründungsmitglied des Familiennetzwerks, das sich für die Anliegen der Familie in Deutschland einsetzt. Ihren Vortrag zum Thema „Brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Familienpolitik?“ begann v. Beverfoerde mit der Feststellung: „Familie ist die natürliche Keimzelle der Gesellschaft und hat als solche eine besondere Bedeutung für den Frieden.“ Familie gab es schon vor dem Entstehen staatlicher Strukturen. Deshalb gehe es nicht an, dass der Staat über so elementare Bestandteile der Familie, wie Familienleben und Kindererziehung, die Oberhoheit anstrebe und den Eltern Vorschriften machen wolle. Sie nannte es einen „sozialistisch-feministischen Plan“, wenn man durch gender-mainstreaming versuche, jegliche Unterschiede in der Geschlechterrolle aufzuheben. Dabei gehe die Politik Hand in Hand mit einer auf immer größeres Wachstum und Profitmaximierng bedachten Wirtschaft, die sich junger, gut-ausgebildeter Frauen gerne bedient, und für die Ehe- und Kinderwunsch eher als unerwünschte Ausfallerscheinungen gelten. Das 2006 eingeführte Elterngeld sei demnach nichts anderes als eine „Entschädigung für den Kinderfall“ mit dem Ziel, die jungen Mütter möglichst schnell wieder dem Produktionsprozess zuzuführen. In die gleiche Richtung ziele auch der massive Ausbau der Krippenplätze. Die Entscheidungsfreiheit über die Erziehung der Kinder, so v. Beverfoerde, müsse bei den Eltern bleiben, und darf ihnen nicht vom Staat weggenommen werden.

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Macht und Ohnmacht der Vereinten Nationen

Im folgenden Beitrag referierte Dr. Norman Weiss, Wissenschaftlicher Assistent im Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam, über Macht und Ohnmacht der Vereinten Nationen. Da die UNO als Organisation keine eigenen Truppen hat, ist sie in jedem Fall bei Friedensmissionen auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten angewiesen. Dabei gab es neben erfolgreichen Missionen natürlich auch große Misserfolge. Spätestens seit dem sogenannten Ibrahim Bericht von 2000 macht sich auch in der UNO die Erkenntnis breit, dass UNO Truppen auch präventiv eingesetzt werden sollen und, ausgerüstet mit einem „robusten Mandat“, auch aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen können. In den letzten Jahren wurde weiterhin klar, wie wichtig es ist, die Bevölkerung in die friedensstiftenden Maßnahmen der UNO miteinzubeziehen, insbesondere was den weiblichen Teil der Bevölkerung anbetrifft. Maßnahmen zur Konflikteindämmung sind wichtig und notwendig. Jedoch noch wichtiger sind die darauf folgenden Versöhnungsprozesse und der Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft.

 

Kein Weltfriede ohne Friede zwischen den Religionen

In Anlehnung dieser von Hans Küng (Projekt Weltethos) geprägten Aussage stellte Dr. Dieter Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der UPF-Deutschland, zunächst anhand von Statistiken klar, dass 88% der Weltbevölkerung und etwa 70% der Deutschen sich der ein oder anderen Religion zugehörig fühlen. Die Rolle der Religionen bei friedensbildenden Maßnahmen zu ignorieren heißt demnach, ein großes Potential an Überzeugungsmöglichkeiten ungenutzt zu lassen. Ist es doch das erklärte Ziel aller Religionen, Friede in allen gesellschaftlichen Ebenen zu schaffen.

Natürlich gibt es in der Geschichte viele Negativbeispiele, bei denen Religionen eben gerade keine friedliche Rolle spielten und sich gegenseitig aufs Heftigste bekämpften. Genau dort liegt die Herausforderung der religiösen Führer. Es ist ihre Aufgabe, die gemeinsamen Werte und Tugenden herausarbeiten und den Problemen der Welt entgegenzusetzen. Die UPF propagiert die Fünf Prinzipien des Friedens als gemeinsame Basis aller Religionen: Gott ist vergleichbar mit Eltern der Menschen; der Mensch ist ein prinzipiell geistiges Wesen; er ist aufgerufen, ein Leben zum Wohle anderer zu führen; die Familie ist die universale „Schule liebevoller menschlicher Beziehung“; und es sind alle aufgerufen, jenseits der eigenen Rasse, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit sich weltweit zu vernetzen.

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„One Family under God“ – für eine friedliche Welt im 21. Jahrhundert

Über 200 Gäste kamen zur Abendveranstaltung, darunter SE Dr. Makase Nyaphisi, Botschafter von Lesoto und der erste Sekretär der Botschaft der Volksrepublik Koreas. Friedrich Pörtner, der als Abgeordneter dem Landtag von Niedersachsen 18 Jahre angehörte, brachte in einer kurzen Rede seine Bewunderung darüber zum Ausdruck, wie Nord- und Südkoreaner beim abendlichen Bankett an einem Tisch saßen und sich offensichtlich gut verstanden.

Yong-cheol Song, Präsident der UPF-Europa, stellte in seiner Hauptrede eine neue Vision für den Frieden vor: „Wir sehen uns ständigen Herausforderungen durch die überall auf der Welt aufflammenden Konfliktherde und Gewaltausbrüche gegenüber gestellt. Aber, was noch schwerwiegender ist, wir stehen auch mitten in einer moralischen und spirituellen Krise, die ihren Ausdruck findet in einem zunehmenden Zerfall von Ehe und Familie, in immer mehr Ehescheidungen und der Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten, sowie in einer steigenden Zahl junger Menschen, die sich der Gesellschaft entfremdet fühlen und gewaltsamen und zerstörerischen Impulsen nachgeben.“ Die Global Peace Tour, so Dr. Song, ziele auf die Erneuerung der Gesellschaft ab und solle eine Plattform sein für die Kooperation unter den Religionen, für die Stärkung der Familie und für die Errichtung einer Kultur des Dienstes am Nächsten.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von musikalischen Beiträgen der jungen Generation, die sowohl klassiche Musik wie auch moderne Popmusik präsentierte. Am Ende der Veranstaltung wurden fünf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mit der Friedensbotschafterurkunde ausgezeichnet, darunter der Träger des Bundesverdienstkreuzes  und Pastor der Afrikanischen Ökumenischen Kirche Lolowengo Botembe und das geschäftsführende Ehepaar des interkulturellen Zentrums „Haus Babylon“, Dr. Mekonnen und Janet Shiferaw.

 

Friedensbotschafter stellen Projekte vor

Am nächsten Morgen erläuterte Fritz Piepenburg in einem Rückblick einige der Aktivitäten der UPF-Deutschland im vergangenen Jahr. Der Berliner Landschaftsarchitekt Jochen Garbe stellte daraufhin das Projekt „Friedensgarten in Kabul“ vor. Rund um den ehemaligen Palast und das Parlamentsgebäude plant die Darul-Aman Stiftung, deren Schirmherr der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel ist, die Neuerrichtung eines Friedensgartens. Er soll für die Bevölkerung von Kabul frei zugänglich gemacht werden, die am Wochenende die schattigen Bäume gern als Picknickplatz für die ganze Familie nutzt.

Armin Wais, Student in Göttingen, stellte sein Projekt „Computer für die Schulen Afghanistans“ vor. Dafür ist er auf der Suche nach Partnern in Deutschland, möglichst ebenfalls Schulen, die auch Schüleraustausch zwischen den beiden Ländern organisieren.

samiDer Friedensbotschafter Sami ben Mansour, Manager der Mellowvibes GmbH, erläuterte das Projekt „Deutschlands vergessene Kinder“ in Kooperation mit dem Jugendhilfswerk ARCHE. Dabei geht es um verwahrloste Kinder in unserer Gesellschaft, denen ben Mansour mit gutem Rap und Hiphop neue Hoffnung für ihr Leben geben möchte. „Rap ist nicht gleich Rap“, so der Künstler. „Es gibt ganz unterschiedliche Richtungen. Leider sind die Massenmedien viel mehr an Porno- und Gangsterrap interessiert. Es geht ihnen um die Sensation, Jugend, Sex und Gewalt in einem Atemzug zu nennen. Aber was bringt das den Jugendlichen?“

Hubert Arnoldi, UPF Ansprechpartner in Stuttgart, berichtete schließlich über die städtische Initiative „Religions for Peace“, der eine ganze Reihe von Religionsgemeinschaften und Friedens-NGOs angehören. Die UPF Stuttgart konnte in diesem Rahmen das Konzept des „Global Peace Festival“ vorstellen und stieß auf großes Interesse.

 

Peace, Shalom, Salam Alaykum

kundg1Eine Stunde später versammelten sich rund 300 Demonstranten an der Humboldt Universität Unter den Linden und marschierten mit Polizeieskorte in Richtung Brandenburger Tor. Vorneweg trugen Vertreter verschiedener Religion ein Banner mit der Aufschrift „Gebt dem Frieden eine Chance – Religionen gemeinsam für eine friedliche Welt“. Am Brandenburger Tor kam es dann zu einer Kundgebung, auf der muslimische, jüdische, christliche und Vertreter anderer Religionen ihre jeweiligen Anhänger zur gemeinsamen Friedensarbeit aufriefen. Sprechchöre waren zu hören, wie: „Gott trennt nicht Bibel, Talmud und Koran, er sieht nur das Herz des Menschen an“, und „In Kirchen, Tempeln und Moscheen lässt uns Gott den Frieden sehen“. Die Jugendband der UPF erregte mit ihren Liedern die Aufmerksamkeit vieler Zuschauer und trug damit ganz wesentlich zum Gelingen der Kundgebung bei.

Fritz Piepenburg 

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