Krone der Schöpfung? (R)Evolutionäre Aspekte auf dem Weg zu wahrem Menschsein
Bericht eines UPF Symposiums in Frankfurt am 27.06.2009
Das Thema ist brandaktuell. Weltweit streiten Kreationisten und Evolutionisten um die richtige Darstellung der menschlichen Entwicklung. Hat Gott, hat ein Schöpfer den Menschen geschaffen? Oder sind wir Produkt einer zufälligen Entwicklung, deren Ende wir nicht kennen? Kann die Wissenschaft beweisen, dass die Welt ohne Gott entstanden ist? Kann die Theologie die Existenz Gottes beweisen? Und was ist von denen zu halten, die im Namen der Wissenschaft ein atheistisches Weltbild mit geradezu missionarischem Eifer verbreiten?
Auf all diese Fragen gab das UPF-Seminar in Frankfurt-Sachsenhausen den 35 Teilnehmern Antworten - allerdings meist solche, die neue Fragen hervorbringen.
Nach der Begrüßung durch Monika Kunde von der Ortsgruppe Frankfurt umriss Fritz Piepenburg, stellvertretender Vorsitzender der UPF-Deutschland, Ziele und Aufgaben der Universal Peace Federation. Er zeigte, wie sich die Ideen der UPF in konkreten Projekten niederschlagen und wie das Gedankengut des Gründers verschiedenste religiöse Strömungen zusammenführt.
Die erste Rede zum Thema kam vom Physiker Uwe Espenschied aus Hofheim im Taunus. Sein Vortrag erklärte kurz und knapp die Theorie des Intelligent Design, die sich im Gegensatz zum klassischen Kreationismus an einer streng wissenschaftlichen Methodik hält. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass selbst Anhänger der reinen Evolutionslehre zugeben, die Entwicklung der Arten folgt einem Muster, das wie eine intelligente Planung anmutet. Anhand von fünf Argumenten versuchte er dann zu erläutern, warum die Annahme einer zufälligen Mutation und Selektion für die Komplexität und Einzigartigkeit irdischer Existenz nicht überzeugen kann: 1) damit Evolution überhaupt in Gang kommen kann, ist ein Startpunkt notwendig; 2) die irreduzible Komplexität des Lebens lässt auf ein Planungskonzept schließen; 3) die Information, die Lebendiges von Nicht-Lebendigem unterscheitet, ist geistiger, also nicht materieller, Natur; 4) die notwendigen Bindeglieder zwischen den Arten können bis heute nicht
nachgewiesen werden; 5) nach dem anthropisch-teleologischen Prinzip hätte sich auf der Erde nie Leben entwickeln können, wenn das System nur um eine Kleinigkeit verschieden wäre. Es scheint also, so Espenschied, als ob unser Sonnensystem für das Leben auf Erden regelrecht vorbereitet worden wäre. Der Redner grenzte sich ab von christlich-fundamentalistischen Ansichten, die den biblischen Bericht von der Schöpfung in 6 Tagen wortwörtlich nehmen. Er zeigte aber auch auf, dass einige wissenschaftliche Hypothesen durchaus die herkömmliche Evolutionstheorie belegen. Seine Schlussfolgerung: Wissenschaftliche Erkenntnis ist nie endgültig und muss sich stets neu an den aktuellen entdeckten oder erforschten Tatsachen orientieren.
Nach einer kleinen Pause begann der evangelische Theologe und Religionswissenschaftler Dr. Marco Frenschkowski seinen Vortrag mit der Feststellung, dass er einen "Designer-Gott" ablehne. Gott auf eine Ingenieursrolle zu reduzieren sei unbiblisch und nicht im Sinne der Theologie. Er erklärte, dass die biblische Schöpfungsgeschichte geschrieben wurde, um der damals weit verbreiteten Vergötterung der Astralkörper, wie Sonne, Mond und Sterne, und der Furcht vor den Naturgewalten etwas entgegenzusetzen: Gott hat die Natur geschaffen und ist ihr absoluter Herr. Der Mensch braucht vor dem Chaos und den Himmelskörpern keine Angst zu haben. Bezüglich der Evolutionstheorie bemerkte er, dass es den meisten evangelischen Theologen egal ist, was Wissenschaftler denken, frei nach dem Motto: „Ich mische mich nicht in deine Naturwissenschaft ein, mische du dich nicht in meine Theologie ein.“ Tatsächlich lässt sich so erklären, warum besonders die deutschen Theologen sich so gar nicht für Intelligent Design erwärmen können und dem Konzept sehr ablehnend gegenüber stehen. Wenn sich die Theologie nämlich in ein Gebiet einmische, welches den Naturwissenschaften zugesprochen ist, bestehe die Gefahr, dass sich umgekehrt die Naturwissenschaften in die Theologie einmischen, und dabei könne die Theologie nur verlieren. Allerdings, so Frenschkowski, kann es nicht zwei unterschiedliche Wirklichkeiten, nämlich eine naturwissenschaftliche und eine theologische geben. Man komme um den Dialog nicht herum und man kann ihn auch nicht mehr vermeiden. "Für mich gibt es nur eine Wirklichkeit, die jedoch verschiedene Aspekte hat und aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedlich aussieht, wie das am Beispiel eines Vexierbildes deutlich wird.“
Im dritten Vortrag ging Religionslehrer Christian Haubold aus philosophischer Sicht an das Thema heran. Auch er forderte einen offenen und öffentlichen Dialog zwischen
Intelligent Design und Evolutionslehre. Die Idee des Zufalls als alleinige Ursache für unser hochkomplexes Universum könne nicht befriedigen. Heute wissen wir, dass Gene keineswegs alle Entwicklungen steuern. Bis heute ist es nicht gelungen, auch nur eine lebendige Zelle im Labor zu erzeugen: „Darwin hat nur erklärt, wie aus den vorhandenen Eigenschaften sich die günstigste durchsetzt. Die eigentliche Entstehung der Arten konnte er nicht erklären.“ Auf der Grundlage der Philosophie des Unification Thought hob er hervor, dass der geistige und materielle Bereich keineswegs getrennt zu sehen sind, sondern auf jeder Stufe des Lebens parallel und in Wechselwirkung zueinander existieren. Es gibt keine gleitenden Übergänge zwischen toter und lebendiger Materie oder zwischen den verschiedenen Arten. Vielmehr könne man „Kreationsschübe“ beobachten, zum Beispiel auch in der Unterscheidung des Menschen vom Tier als ein primär geistiges Wesen, das in seiner Fähigkeit der Selbstreflexion Zeit und Raum übersteigen kann. Außerdem warf er die Frage nach der ethischen Implikation auf. Sollte sich das Menschsein tatsächlich auf einen „Kampf ums Dasein“ oder dem Prinzip „das Überleben des Stärkeren“ reduzieren? Oder sollte der Mensch vielmehr danach streben, Tugenden und guten Charakter zu entwickeln, um so seinem Auftrag als „Ebenbild Gottes“ gerecht zu werden?
Im abschließenden Podiumsgespräch wurde auch die Frage diskutiert: "Inwieweit braucht Gott den Menschen?" Diese ungewöhnliche Fragestellung veranlasste Dr. Frenschkowski nochmals darauf hinzuweisen, wie fruchtbar und notwendig das gemeinsame Gespräch über alle Barrieren hinweg ist: Der Gott der Liebe sucht sich einen Partner, um diese Liebe ausdrücken zu können - das könne auch er unterschreiben. Und das mache auch Sinn, wenn man nach der treibenden Kraft hinter der evolutionären Entstehung des Universums bis hin zum Menschen suche.
Claus Dubisz und Fritz Piepenburg
