Über 70 Friedensbotschafter, Gäste und Mitglieder des Friedensrates der UPF versammelten sich vom 14.03. bis 16.03. im Naturfreundehaus in Berlin-Lichterfelde. Es handelte sich um die dritte Tagung des Nationalen Friedensrates mit Titel „Auf dem Weg zu einer friedlichen Gesellschaft“.
Namhafte Repräsentanten der abrahamitischen Religionen trafen sich bei inspirierenden Redebeiträgen, Tätigkeitsberichten und Arbeitskreisen. Als Ehrengäste kamen Prof. Dr. Eliezer Glaubach mit Ehefrau Rachel. Dr. Glaubach ist viermaliger Stadtrat von Jerusalem und war bei den Camp David Gesprächen als Spezialist für den Status von Jerusalem mit dabei. Unter den weiteren Sprechern waren Imam Abdullah Haselhoef, ehem. Vorsitzender des Muslimrates der Niederlande, Dr. Hedwig Raskob, Psychologin und Friedensforscherin und Amir Mohammed Herzog, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime Berlin e.V.
Bei der Tagung wurden umfangreich Themen wie die Erneuerung der UNO, die Weiterentwicklung des interreligiösen Dialogs, Frieden durch Zugang zu erneuerbaren Energien, die Bedeutung von Ehe und Familie für den Frieden und die Verwirklichung praktischer Friedensprojekte behandelt.
Karl Meier, Vorsitzender der UPF-Deutschland e.V., forderte die Teilnehmer auf, eine „Kultur des Hinsehens und der Mitverantwortung“ zu schaffen: „Viele Dinge, die heute in der Welt geschehen, sind völlig verquer. Man scheut sich geradezu davor, zu sehr ins Detail gehen, weil man sonst nicht mehr ruhig schlafen könnte. Aber es muss etwas getan werden, und es tut sich auch etwas.“
Amir Mohammed Herzog begrüßte im Namen der gastgebenden Friedensbotschafter aus Berlin die Teilnehmer, und besonders die Referenten aus anderen Ländern. „Interreligiöser Dialog“, so Herzog, „setzt voraus, dass der andere vollständig als Mensch und Geschöpf Gottes anerkannt wird. Wir müssen uns zuerst in der Tugend des geduldigen Zuhörers üben, bevor wir dem anderen etwas sagen können.“
Dr. Hedwig Raskob, die sich selbst als „unverbesserlicher Weltverbesserer“ bezeichnet, gab einen Bericht über ihre Aktivitäten und Verbindungen in Berlin, die bis hin zu Prinz Hassan bin Tallal von Jordanien führten.“Es kam in den letzten Wochen“, so Raskob, „zu so vielen großartigen Begegnungen, die eine gewisse geistige Führung vermuten ließen.“
Karl-Christian Hausmann, Vorsitzender der Familienföderation e.V., gab einen Überblick über die Zielsetzungen und Aktivitäten der UPF: „Die Welt ist klein geworden. Aber sie ist auch zu einer globalen Welt geworden mit globalen Problemen. Deshalb müssen die Lösungsansätze ebenfalls global sein. Wir brauchen Prinzipien, die nicht nur für eine spezielle Gruppe Gültigkeit haben. Die Naturgesetze haben für alle Völker und Nationen die gleiche Gültigkeit. Sollte es solche allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten nicht auch für das gesellschaftliche Zusammenleben und das geistig-moralische Leben der Menschen geben?“
Fritz Piepenburg gab einen Überblick über die jüngst stattgefundenen internationalen Aktivitäten der UPF, während Dr. Dieter Schmidt über das Projekt „Global Peace Festival“ referierte. Beide sind stellvertretende Vorsitzende der UPF-Deutschland.
Heiner Handschin, Vorsitzender der UPF Schweiz, gab dann einen Überblick über die UPF Aktivitäten mit den Vereinten Nationen in Genf und in Wien. Auf Grund ihres Beraterstatus in der ECOSOC stehen der UPF die Türen der UNO offen, was zu einer regen Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen führt.
Hildegard Piepenburg erhielt für ihren Vortrag mit Titel „Die Bedeutung von Ehe und Familie“ viel Aufmerksamkeit. Sie sprach über den Wandel um das Verständnis von ehelicher Partnerschaft im 20. Jahrhundert. „Wir beobachten eine stetige Zunahme der gewollten Singles, der nicht-ehelichen Partnerschaften und der daraus resultierenden nicht-ehelichen Kinder. Dazu kommt eine weitere Relativierung des Eheverständnisses durch gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Dennoch, und das ist das Erstaunliche, ist der Wunsch unter den Jugendlichen nach einer ganz gewöhnlichen und dauerhaften Vater-Mutter-Kind Familie ungebrochen stark ausgeprägt.“ Piepenburg beklagte die Tatsache, dass die häusliche Erziehungsarbeit von Politik und Wirtschaft noch viel zu wenig geschätzt und gewürdigt wird.
Höhepunkt der Konferenz war zweifellos der Auftritt der beiden Gastreferenten Prof. Dr. Glaubach aus Israel und Imam Abdullah Haselhoef aus den Niederlanden. „Ich bind sehr glücklich, mit euch zu sein, mit meiner deutschen Familie“, begann Glaubach seine Ausführungen über Friedensprojekte der UPF in Israel und Palästina. „Eine Sache möchte ich gleich von Anfang an klarstellen: Frieden ist möglich in Nahost. Die Mehrheit der Bevölkerung auf beiden Seiten sehnt sich nach dem Frieden. Auf beiden Seiten gibt es Extremisten, die keinen Frieden wollen. Aber das ist eine kleine Minderheit. Die Mehrheit sollte nicht zulassen, dass eine kleine Minderheit so dominiert!“ – Ganz so einfach, wie Glaubach im weiteren Verlauf zugab, ist die Situation natürlich nicht: „Israelis und Palästinenser, wenn man sie denn alleine lassen würde, könnten das Problem unter sich lösen. Andere Nationen, ja die ganze Welt, verfolgen aber ihre ganz eigenen Interessen in Nahost und machen es schwer, einmal getroffene Vereinbarungen auch umzusetzen.“ 51 muslimische Staaten, darunter 22 arabische, übten einen ganz wesentlichen Einfluss auf die palästinensische Politik aus, während die USA massiv eigene Interessen mit ihrer Israel Politik verfolge. Die UPF mit ihrer Initiative MEPI (Middle East Peace Initiative), leiste einen wesentlichen Beitrag, dass Israelis und Palästinenser als Nachbarn und Mitbewohner eines Landes mit äußerst spärlichen natürlichen Ressourcen wieder freundschaftlich miteinander reden könnten. Über 12.000 Personen aus aller Welt haben im Rahmen der MEPI eine Reise nach Israel und der West Bank unternommen und dabei wichtige Vertreter des öffentlichen Lebens getroffen, aber auch Gelegenheit gehabt, sich mit einfachen Bürgern auszutauschen.
Imam Abdullah Haselhoef betonte in seinem Redebeitrag, dass es nicht Religionen waren, die in den vergangenen Jahrhunderten für unsagbares Leid verantwortlich waren, sondern Ideologien (insbesondere der Nationalsozialismus und der Kommunismus). In einer interessanten Analogie verglich er die Heiligen Bücher mit Kochbüchern, die wohl perfekte Rezepturen bieten. Das Problem läge jedoch in der fehlenden Kompetenz der Köche: „Viele unserer religiösen Leiter benehmen sich wie Anfänger und richten mit ihren ‚Kochkünsten’ mehr schaden an als Nutzen.“ Haselhoef selbst ist ein Produkt unterschiedlicher Kulturen und Religionen: „Die Vorfahren meiner Mutter sind indische Muslime, während die Vorfahren meines Vaters, der Holländer ist, ursprünglich zu einer jüdischen Familie aus Litauen gehören.“. Er habe Familienangehörige, die im Konzentrationslager von Auschwitz umgekommen sind. Deshalb habe er mit den Deutschen nichts zu tun haben wollen, „bis ich meine Frau getroffen habe, die eine Deutsche ist“, berichtete er mit einem Augenzwinkern.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Bundestages am Samstag Nachmittag, ermöglicht durch unseren Friedensbotschafter Abdellah Lassal, einem leitenden Mitarbeiter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Für viele Gäste war es das erste Mal, dass sie die Räumlichkeiten des Bundestages von innen betrachten konnten.
Am Ende gab Dr. Yong Cheol Song, Präsident der Universal Peace Federation Europa, einen Bericht über die Eröffnung einer Friedensbotschaft in Pyöng Yang in Nordkorea. Er überbrachte die Grüße des internationalen Präsidenten der UPF-International, Dr. Chung Hwan Kwak, und ermutigte alle, dem Gründermotto „ein Leben für Andere zu führen“, auch im täglichen Leben Folge zu leisten. Wie bei jeder Konferenz wurden auch diesmal mehrere Teilnehmer mit dem Zertifikat „Friedensbotschafter“ geehrt.
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