Knapp 100 Teilnehmer zählte das Seminar zum Thema „Ur-MENSCH-lichkeit“ im Hotel am Stadtpark, die bis aus Bonn, Köln, Frankfurt und sogar aus den Niederlanden angereist waren. Moderiert von Herbert Beyer war das achtstündige Programm zu keiner Zeit langatmig oder gar langweilig. Für diese positive Bilanz waren auch die zahlreichen Musikbeiträge verantwortlich, die von Chopin (Viola Hara) bis Pleyel (Johann Piepenburg und Takanari Wakayama) reichten. Einen besonderen Musikbeitrag lieferten Herr Mazulumi und Ehefrau Schivitz auf dem Psalterium und Klavier mit zwei Stücken aus Chile und Persien. Die beiden wurden anschließend auch gleich per Urkunde zu Friedensbotschaftern ernannt.
Petra Heuwind eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort als Repräsentant der Friedensbotschafter von Düsseldorf. Sergio Brina stellte dann die gastgebende UPF in seinem Vortrag „Fünf Prinzipien für den Frieden“ vor. Die Stärken der UPF, so Brina, liegen im interreligiösen Dialog, der internationalen Zusammenarbeit, einem klaren Verständnis über die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Familie und einem Menschenbild, welches den moralisch-geistigen Aspekt menschlicher Existenz erkennt und als wichtigen Teil der „Ur-Mensch-lichkeit“ begreift.

Francesco Conidi, Dozent an der Universität Köln, referierte in seinem Beitrag über die Entwicklungsgeschichte des Menschen mit all ihren Höhen und Tiefen. Menschlichkeit, so Conidi, zeigt sich im Handeln und Tun. Dabei ist der Mensch das einzige Lebewesen auf diesem Planeten, dessen Streben schon immer von einer Vision und dem Wunsch nach Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit bestimmt war. Der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und einem glücklichen Leben für alle durchzieht die Menschheitsgeschichte wie ein roter Faden. Allein in der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts stehen große Errungenschaften, wie die Überwindung des Apartheitsystems in Südafrika (1993) und die Überwindung der innerdeutschen Mauer (1989) neben so furchtbaren Entgleisungen wie den „killing fields“ in Kambodscha unter Pol Pot (1975-79), die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda (1994) oder das Massaker an wehrlosen Zivilisten in Szebreniza (1995), um nur einige Beispiele zu nennen. Die Frage, die bis heute nicht schlüssig beantwortet ist, lautet: „Warum gab und gibt es Krieg und Blutvergießen unter den Menschen, die sich doch im Grunde ihres Herzens nach einer friedlichen Welt sehnen?“ Und weiter: „Wie lässt sich das alles mit dem Prinzip der Vernunft vereinbaren, worauf die Spezies ‚homo sapiens’ doch so stolz ist?“
Der Mensch, so ist es zumindest in der Bibel nachzulesen, sollte die Krönung des göttlichen Schöpfungswerks sein. Aber anscheinend muss er sich erst dahingehend entwickeln. Angefangen vom homo habilis, dem geschickten Mensch, der Steine und Hölzer als Werkzeuge benutzt, über den homo erectus als Feuerbändiger und Großwildjäger hat er sich schließlich zum heutigen homo sapiens entwickelt, dem denkenden und vernunftbegabten Menschen. Es steht ihm jetzt, so Conidi, eine weitere Entwicklungsstufe bevor, nämlich die zum homo amans, einem Menschen mit hoher emotionaler Kompetenz und ausgeprägten Herzensqualitäten. Erst wenn das Herz und nicht bloße Vernunft und Kalkül im Zentrum des menschlichen Lebens stehen, wird es dem Menschen gelingen, eine friedliche Welt zu errichten.
Neuigkeiten
aus BurmaDer buddhistische Mönch und Friedensbotschafter Ashin Sopaka aus Burma gab im Anschluss einen ausführlichen Bericht über seine Tätigkeiten in seinem Heimatland. Trotz misstrauischer Beobachtung durch das Regime and trotz aller Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt werden, betreiben Sopaka und andere Mönche Schulen, die es vor allem den weniger privilegierten Schichten ermöglichen sollen, eine Grundschulbildung zu erhalten. Was in Burma unter dem Vorzeichen „öffentliche Bibliotheken“ läuft, weil Privatschulen jeder Art verboten sind, kann sich in Thailand, Mosambik und Tansania freier entfalten. Alleine in Thailand leben 2 Millionen Burmesen als Flüchtlinge nahe der gemeinsamen Grenze. Ihre Kinder haben keinen Zugang zur staatlichen Schulbildung, weil sie als illegal gelten.
Weitere Projekte, die Sopaka vorstellte, waren Unterstützung von ganzen Volksgruppen, die buchstäblich auf und von den Müllbergen der großen Städte leben. Durch Sortieren von Müll können sie sich einen kärglichen Lebensunterhalt verdienen. Oft reicht es nicht einmal für eine vernünftige Malzeit pro Tag.
Auch den Opfern der Sturmflut „Nargis“ wird im Rahmen des Einsatzes der Mönche geholfen. Sopaka schloss seine Ausführungen mit dem dringenden Appell an die UNO und an andere internationale Organisationen, rechtzeitig dort einzugreifen, wo sich größere menschliche Katastrophen abzeichnen.
Projekte
in Deutschland und AfrikaFriedensbotschafter Abirami Paramanantham stellte ihr Projekt vor, mit Jugendlichen an den Schulen Arbeitsgemeinschaften (AGs) für Integration und sozialen Frieden zu gründen. „Die Ur-Mensch-lichkeit, den anderen als Bruder und Schwester zu erkennen, steckt in jedem von uns“, stellte sie fest. Erziehung und Bildung sollten eben auch vermitteln, wie man sich und das unmittelbare soziale Umfeld als Teil einer Weltfamilie betrachten kann.
Dr. Sam Essiamah betreut seit 1995 das von ihm initiierte Projekt „Baumpflanzungen auf Schulhöfen in Ghana“. Der Baum inmitten des Schulhofes, so Essiamah, hat eine große Bedeutung, schon allein deshalb, weil man bei mangelnden Klassenzimmern einfach im Schatten des Baumes unterrichten könne, was er selbst schon viele Male getan habe. Als Anregung für die Pflanzaktivitäten, auch außerhalb der Schule, läuft zur Zeit ein zweites Projekt: „Wer Bäume pflanzt, bekommt eine Solarleuchte“. „Zivilisation“, so Essiamah, „begann mit der Rodung des ersten Baumes. Sie wird enden, wenn der letzte Baum gefällt ist.“
Unter einem ganz ähnlichen Zeichen stand der Vortrag von Dr. Hilal Al-Fahad über „Erneuerbare Energien“. Al-Fahad arbeitet mit dem Göttinger Institut IFEED (Internationales Forschungszentrum für Erneuerbare Energien e.V. Deutschland). Er kam zuerst auf den ständig steigenden CO2 Gehalt in der Atmosphäre zu sprechen: „Wenn wir die CO2 Menge nicht mehr proportional zu ihrer Zunahme abbauen können, wird es unweigerlich zu einer Umweltkatastrophe kommen.“ Das Abschmelzen der Pole und Gletscher und die gleichzeitige Zunahme an Überschwemmungskatastrophen in Afrika, Kleinasien und Amerika sind nur eine Folgen unserer Umweltbelastung. Al-Fahad setzte sich für einen verstärken Gebrauch erneuerbarer Energien ein, die in ihrer Erzeugung praktisch CO2-frei sind.
Fritz Piepenburg, stellvertretender Vorsitzender der UPF-Deutschland, beglückwünschte die Düsseldorfer Ortsgruppe zu ihrem erfolgreichen Seminar. Die Gründung der internationalen UPF, so Piepenburg, fand am 12. September 2005 in New York statt, zeitgleich mit der 60. UNO-Generalversammlung. In Deutschland entstand die UPF im Mai letzten Jahres aus ihrer Vorgängerorganisation Interreligiöse und Internationale Föderation für Weltfrieden e.V. „Mitglieder sind solche Menschen“, so Piepenburg, „die von der Machbarkeit einer friedlichen Welt überzeugt sind. Wir sind keine Kulturpessimisten, und schon gar keine Nihilisten.“ Was die Welt dringend benötige, sei ein Grundwertekonsens, der über die einzelne religiöse Tradition hinausgeht und nationale Grenzen überwindet. Dazu gründete die UPF einen Globalen Friedensrat, dessen Aufgabe es ist, insbesondere der UNO beratend zur Seite zu stehen. Aber auch auf der nationalen und der kommunalen Ebene sollten solche Friedensräte eingesetzt werden und sich mit den Herausforderungen in ihren Bereichen beschäftigen.
Am Ende des Seminars gab es dann noch fünf weitere Auszeichnungen zum Friedensbotschafter, was ja mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Seminare und Tagungen der UPF geworden ist.
