
Grundlagen einer
Kultur des Friedens
Zweites
Zusammentreffen des Nationalen Friedensrates der UPF-Deutschland
Göttingen, 09. –
10.11.2007
Der große Saal im Mahatma Gandhi Haus in Göttingen war mit 85 Teilnehmern, darunter 20 Jugendliche und Studenten, bis auf den letzten Platz gefüllt. Dr. Ahmaduddin Wais, Vorstandsmitglied der Afrikanisch-Asiatischen Studienföderung e.V., hatte schon im April während der Gründungsveranstaltung des Nationalen Friedensrates in Berlin den Vorschlag gemacht, das nächste Treffen in Göttingen abzuhalten.
Berichte und
Schwerpunktthema Familie
„Schön, dass wir uns hier wiedersehen können,“ meinte Karl F. Meier, erster Vorsitzender der UPF-Deutschland, in seiner Begrüßungsrede. „Man hat ja manchmal das Gefühl, dass sich die Zeit rückwärts bewegt. Anstatt eine friedlichere Welt hervorzubringen, kommen wir mit der Lösung unserer globalen Probleme anscheinend nicht oder nur sehr langsam voran“. Sujit Chowdhury, Geschäftsführer der Studienförderung, gab dann während seiner Begrüßungsrede einen Überblick über seine Organisation und die Universität Göttingen, an der immerhin 41 Nobelpreisträger, überwiegend aus den Naturwissenschaften, studiert, gelehrt oder geforscht haben.
Gleich zu Beginn der Tagung berichtete Friedensbotschafter Dr. Mustafa Mahjoub über seine Eindrücke von der „International Leadership Conference“ in Seoul, Korea, an der im August etwa 80 Gäste, Friedensbotschafter und UPF-Mitglieder aus Deutschland teilgenommen hatten. Christian Hausmann, Vorsitzender der Familienföderation e.V., berichtete über Begegnuingen mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern während des von der UPF organisierten Friedensmarsches von Heidelberg zum Seminarzentrum in Bad Camberg. Die Nordroute, die ebenfalls in Bad Camberg endete, begann in Siegen. Dieter Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der UPF, stellte das „Global Peace Festival“ vor, das im Oktober mit 800 Teilnehmern in der Stadthalle Offenbach zum ersten Mal stattfand, und ein jährliches Ereignis werden soll. Fritz Piepenburg, ebenfalls stellv. Vorsitzender der UPF, gab einen Bericht über die Gründung der „Abel-UNO“ am 23.09. in New York, die als eine Art Interreligiöser Rat die bestehende UNO ergänzen soll.
In den Abendstunden präsentierte Hildegard Piepenburg einen sehr umfassenden Vortrag über die Bedeutung der ersten drei Lebensjahre für die menschliche Entwicklung, wobei die Mutter-Kind-Beziehung, und danach auch die Vater-Kind-Beziehung, für die Entwicklung des Gehirns des Kleinkindes, und damit auch für seine emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten, von entscheidender Bedeutung sind. Ute Lemme, Vorstandsmitglied der Frauenföderation für Weltfrieden, gab im Anschluss einen Bildbericht über ihren Besuch in Nordkorea. Zum ersten Mal seit der Teilung ist es nun möglich, an der Ostküste entlang per Bus die innerkoreanische Grenze zu passieren und die berühmten Diamond Mountains zu besuchen. Dabei wurde die internationale Delegation von Vertreterinnen der nordkoreanischen Frauenorganisation in Empfang genommen. Zum Abschluss des Abends lud Helma Born zu einer Meditation und zum Gebet für Frieden im Nahen Osten ein.

Zukunft und Aufgaben
der UPF-Deutschland
Dr. Amir Mohammed Herzog, Vorsitzender der Islamischen Gesellschaft deutschsprachiger Muslime und Freunde des Islam e.V. aus Berlin, sprach in der Morgenandacht zum Thema „Himmel und Erde vereint für die Wiederherstellung von Gottes Heimatland“. Es ist schon erstaunlich, was der Koran zu diesem etwas poetisch anmutenden Thema zu sagen hat. Diese Veranstaltung war der Startschuss für 11 weitere Veranstaltungen in den Ortsgruppen, welche die Formierung von Friedensräten auf der Kommunalebene zum Ziel hatten.
In der anschließenden Plenarsitzung hatten zunächst zwei katholische Theologinnen, Gisela Münster und Dr. Hedwig Raskob, das Wort. Frau Münster sprach vom Mut, den man aufbringen müsse, um auch unbekannte Wege zu gehen. „Weg und Wagnis haben ethymologisch die gleiche Wurzel“. Man solle sich nicht scheuen, Abkürzungen zu wagen und auch mal Umwege zu gehen.
Dr. Raskob kritisierte in ihrem Vortrag die vorwiegend patriarchalischen Strukturen in den Weltreligionen. Kriege, Auseinandersetzung und Gewalt werden größtenteils durch die Männerwelt verursacht. Nicht selten kommt es dabei zu einem Missbrauch von Gott und Religion. Dabei ist Gott, der Schöpfer des Menschen, natürlich nicht nur Himmlischer Vater, sondern genauso Himmlische Mutter. Überhaupt, so Dr. Raskob, täten wir gut daran, der weiblichen und mütterlichen Natur in Politik und Zeitgeschehen einen wesentlich größeren Spielraum einzuräumen, als das bis jetzt der Fall ist.

Dr. Elke Preusser-Franke, Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins Dresden e.V., machte wieder auf die Gemeinsamkeiten zwischen Judentum und Islam aufmerksam. Sie begrüßte die Middle East Peace Initiative (MEPI) der UPF, brachte aber auch ihre Enttäuschung zum Ausdruck, dass der Friedensprozess so schleppend vorangeht. Als Aufgabe der UPF-Deutschland identifizierte sie den Abbau von Feindbildern, die immer noch in der Gesellschaft existieren und ihre eigene Dynamik entfalten. Viele jüdische Zuwanderer leben von der Sozialhilfe, obwohl sie eine akademische Vorbildung besitzen. Diesen Leuten sollte eine berufliche Chance gegeben werden. Nur von Sozialhilfe leben ist für das Selbstwertgefühl nicht gerade förderlich.

Karl Meier sprach als letzter in der Podiumsrunde. „Was ist mit der UNO los?“, fragte er in die Runde. „Sie ist weiter denn je entfernt von ihren Gründungszielen und ihrer ursprünglichen Zweckgebung.“ Es gebe eine „Vergiftung unter den Religionen“, die nur durch einen offen geführten interreligiösen Dialog wieder bereinigt werden könne. Ganz besonders besorgniserregend sei der fortschreitende Wertezerfall. „Der seelische Zerfall kann überall beobachtet werden. Meine afrikanischen Freunde sagen dazu: die Weißen haben ihre Seele verkauft.“ Wirtschaftliches Wachstum und Profitmaximierung werden zur neuen Religion, die wenige priviligiert und viele ins gesellschaftliche Abseits drängt. Viele NGOs haben das erkannt und versuchen dagegenzuhalten. Sie sind mit die Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft. Der Mensch müsse erkennen, dass er sein größtes Glück und seine tiefste Zufriedenheit im Dienst am Gemeinwohl finde. „Living for the sake of others“ sei das passende Motto für eine friedlichere und harmonischere Welt von morgen.
Nach der Kaffeepause referierten Christian Hausmann und Dr. Dieter Schmidt zu den Themen „Die fünf Prinzipien für den Frieden“ und „Strategien zur Konfliktbewältigung“. Zu den fünf Prinzipien zählen die Definition von Gott als Eltern aller Menschen, die große Bedeutung des geistig-moralischen Aspekts im Leben der Menschen, die Familie als Schule der Liebe, das Grundprinzip eines Lebens zum Wohl der Gesamtheit und das Überwinden jeglicher zwischenmenschlicher Schranken und Grenzen. Dr. Schmidt bezeichnete die zu Beginn der Menschheitsgeschichte stattgefunden Trennung der Menschen zu Gott „als das größte Trauma, das je im Gehirn des Menschen gespeichert wurde.“ Richtig geführte emotionale Kommunikation müsse gewaltfrei verlaufen, in sogenannte Ich-Botschaften gekleidet sein und davon ausgehen, dass man sich selbst ändern muss und nicht vom andern erwarte, dass er oder sie sich ändern solle.
Fünf Arbeitsgruppen
und Projektvorschläge
Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der fünf Arbeitsgruppen: a) Menschenrechte und UNO-Erneuerung; b) Projekte für den Frieden; c) Familienideal in einer pluralistischen Gesellschaft; d) Nachhaltige Landwirtschaft und erneuerbare Energien, und e) Interreligiöser Dialog.

Im anschließenden Plenum wurden die in den Gruppen erarbeiteten Projektvorschläge vorgestellt. Gruppe a) will eine bereits verfasste Resolution weiter ausarbeiten und an die UNO schicken. Gruppe b) stellte gleich mehrere Friedensprojekte vor: Abirami Paramanantham, Studentin an der Universität Düsseldorf und Mitglied des Ausländerbeirats, startet ein Projekt „Arbeitgemeinschaft Friedensbildung für Schulklassen“. Ute Lemme aus Stuttgart warb für ein Projekt „Friedensdörfer in Nordkorea“, wobei ganze Häuserkomplexe für besonders bedürftige Teile der Bevölkerung mit Fremdhilfe (meist südkoreanischer Expertise) errichtet werden sollen. Im Gegenzug ist geplant, dass nordkoreanische Experten bei Projekten in Südkorea ebenfalls mitwirken. Helma Born aus Gießen möchte ein Projekt unter dem Titel „Frau und Frieden“ ins Leben rufen, wobei sie selbst als Ausbilderin fungiert in der Kunst, Energien zu erkennen und für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Fritz Piepenburg aus Frankfurt setzt sich für eine Fortsetzung des Gobal Peace Festivals ein.

Helmut Hoffmann stellte die Ergebnisse der Gruppe c) vor, die ‚Grassroots’- und Aufklärungsarbeit über die Bedeutung der Familie und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse darüber leisten möchte, z.B. durch Büchertische, Leserbriefe, Seminare und die Bildung von Arbeitskreisen in den Städten. Dazu sollen Flugblätter und Broschüren erarbeitet und die Zusammenarbeit mit ähnlich denkenden Menschen ausgebaut werden.
Zu Gruppe d) gab Dr. Rose Ngomba aus Göttingen eine Einführung in ihr Projekt in Ghana, das zum Ziel hat, die Landbevölkerung mit der Nutzung von erneuerbaren Energien bekannt zu machen. Ramin Wais aus Göttingen will für die Ausstattung von Schulen in Kabul und anderen afghanischen Städten mit Computer und Internet sorgen, um Projekte gegen den Rauschgiftanbau zu initiieren. Gruppe e) arbeitet daran, die Interreligiösen Gesprächskreise und Veranstaltungen in den verschiedenen Städten auszubauen. Gisela Münster aus München erläuterte Pläne, wonach die Schulbücher auf ihre Darstellung der Minderheitenreligionen gesichtet werden sollen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich die dort behandelten Religionen mit der Darstellung ihres Glaubens auch identifizieren können.
Das nächste Treffen des Nationalen Friedensrates ist für die erste Hälfte des kommenden Jahres geplant. Die Lokalität dafür muss erst noch entschieden werden.

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