Ehe – eine von Gott gegebene Institution?
Unter diesem Titel veranstaltete die UPF-Frankfurt am 05.12.09 ein Seminar in Sachsenhausen. Zur Frage „Welche Bedeutung hat die Ehe für den Frieden in der Gesellschaft“ äußerten sich Vertreter des Christentums, des Islam, des Sikhismus und der Family Federation Deutschland. Monika Kunde, UPF-Frankfurt, führte durch das Programm.
Fritz Piepenburg, Vorstandsmitglied der UPF, eröffnete das Treffen mit einem Überblick über Gründungsprinzipien und Aktivitäten der gastgebenden Universal Peace Federation Deutschland. Ehe und Familie als tragende Säulen der Gesellschaft nehmen dabei einen wichtigen Stellenwert ein. Besonders im Anblick der jüngst vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten düsteren Prognosen einer ständig schrumpfenden und vergreisenden Gesellschaft ist Handlungsbedarf angesagt. Religionen geben der Ehe eine geistige Bedeutung, indem sie ihr eine göttliche Dimension verleihen. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag für die Stabilität der Ehe als primäre Institution für die Sozialisierung der Kinder.
Ehe ist Partnerschaft, Vereinigung der Herzen
Nach einer musikalischen Einlage von Margret Staudinger und Tomako Yoo erläuterte David Kingsman eheliche Partnerschaft aus der Sicht der Christlichen Wissenschaft. Das dritte Kapitel des von der Gründerin Mary Barker Eddy (1821–1910) verfassten Lehrbuchs handelt über dieses Thema. „Ehe“, nach Frau Eddy, „ist eine menschliche Institution, die uns hilft, die geistige Einheit des Menschen mit Gott zu erleben.“ Sie ist „die gesetzliche und moralische Einrichtung für die Fortpflanzung des Menschen.“ Eine besondere Rolle spielt Keuschheit und eheliche Treue: „Keuschheit ist das Mittel, das Zivilisation und Fortschritt zusammen hält.“ Ohne sie gibt es keine Stabilität. „Untreue“, zitierte Kingsman weiter, „ist die Pest, die im Finstern schleicht.“ Mary Baker Eddy geht sogar soweit, das Gebot „du sollst nicht ehebrechen“ mit dem Gebot „du sollst nicht töten“ in Tragweite und Bedeutung gleichzusetzen. – „Wenn der Mensch als ein geistiges Wesen, das er von Natur aus ist, Vollkommenheit erreicht hat, wird Ehe und Heirat nicht mehr nötig sein“, so Kingsman in seiner abschließenden Bemerkung.
Ehe schützt vor Schwachsinn
Abdullah Haselhoef, der zusammen mit seiner frisch vermählten Tochter und Schwiegersohn extra aus der Eifel nach Frankfurt reiste, begann seine Ausführungen als Vertreter des Islam mit einer Betrachtung von Seele (arabisch: ruh) in Beziehung zum Ego (nafs). Während die Seele schon vor der Geburt existiert und dem „Odem Allahs“ gleichkommt, entwickelt jeder Mensch in seinen jungen Jahren ein Ego, das nach individueller Entfaltung sucht. Entscheidend, so Haselhoef, ist die richtige Beziehung zwischen Seele und Ego, wie bei einem Reiter und seinem Ross. Wenn sich das Ego über die Seele stellt, so ist das vergleichbar, wie wenn das Ross auf dem Reiter sitzt. Und das, so der Imam und Islamgelehrte, führt mindestens zu Rückenschmerzen!
Adam, so die islamische Lehre, war ursprünglich alleine und nicht glücklich. Deshalb stellte ihm Allah Eva zur Seite. Mann und Frau werden eine Einheit und können durch den jeweiligen Partner ihre eigene Schönheit entdecken. Außerdem, so Haselhoef pointiert, „schützt Heirat vor Schwachsinn im Kopf und Schwachsinn zwischen den Beinen.“ Im Islam ist die Beziehung zwischen Mann und Frau so geregelt, dass der Mann in jedem Fall für den Unterhalt der Frau aufzukommen hat. Es ist im nicht verboten, sich im Haushalt zu betätigen, was der Prophet Mohammed nach der Überlieferung selbst vorgelebt haben soll. Heiraten ist also im Islam eine gottgewollte, heilige Sache. Auch Jesus, so Haselhoef, wird heiraten, wenn er einst wiederkommen wird.
Das Geheimnis des Ehebundes
Pastor Tom Haase, Regionalleiter des freikirchlichen evangelischen Gemeindewerks, definierte die Ehe als „göttlicher Bund zwischen Mann und Frau, mit Gott als Dritten im Bunde“. „Ehe“, so Haase, „ist aus Gottes Perspektive immer der Bund zwischen Mann und Frau, denn nur Mann und Frau sind das Abbild Gottes.“ Haase berichtete über ein Treffen mit Teenies, bei dem die jungen Leute ganz offen über ihre sexuellen Erfahrungen sprechen konnten. Er war schockiert, dass die Mehrzahl der 15jährigen bereits über vielfältige sexuelle Kontakte berichtete, diese aber eher negativ bewertete. „Jetzt bin ich erst 15, aber schon so kaputt“, war ein häufig gehörter Kommentar. Sexuelle Beziehung gehöre nun mal in die Ehe, und dafür braucht es zwei erwachsene und reife Menschen.
Drei Elemente, so Haase, sind charakteristisch für eine erfolgreiche Ehe: 1. Die Trennung von den eigenen Eltern (was nicht gleichbedeutend mit einem Abbruch oder einer Vernachlässigung der Beziehung ist); 2. Ehe als körperliche, seelische und geistige Gemeinschaft (Ehepartner sollten immer auch beste Freunde sein); und 3. Ehe und Partnerschaft als öffentlicher Akt und Erklärung des Bundes. Pastor Haase brachte zahlreiche Beispiele für die ups und downs ehelicher Partnerschaft am Beispiel seiner eigenen Familie.
Ehe als notwendige Struktur für die Vereinigung der Herzen
Ulrich Tuente, langjähriges Mitglied der Family Federation Deutschland (vormals Vereinigungskirche) begann seine Ausführung mit dem biblischen Zitat: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, als Mann und Frau erschuf Er ihn“. In der Ehe kann der Mensch drei Aufgabenbereiche erfüllen, nämlich zu wahren Eltern, zu wahren Lehrern und zu wahren Besitzern zu werden. Der innere Kern eines jeden Menschen, in der Vereinigungsphilosophie mit „Herz“ bezeichnet, strebt nach einem partnerschaftlichen Gegenüber, das den Impuls der Liebe annehmen und erwidern kann. „Eltern sollen für ihre Kinder die besten Lehrer sein. Ehemann und Ehefrau mit ihrer Familie werden zu den Besitzern des Himmelreichs.“ Das Herz, so Tuente, benötigt den Logos (im Sinne von Struktur, Gesetz), um seinen Impuls der Liebe konstruktiv einbringen zu können. Dieser Logos ist die von Gott gesegnete eheliche Gemeinschaft. Ehe ist auch immer ein Versprechen dem Partner und Gott gegenüber, die gegenseitige Treue zu wahren „in guten wie in schlechten Zeiten“. Die Umsetzung dieses Versprechens ist für das gesunde Wachstum der Kinder von entscheidender Bedeutung. Besonders in den ersten drei Lebensjahren ist die unmittelbare menschliche Beziehung für das Kind lebens- und überlebenswichtig. Diese „Beziehungsarbeit“ ist in jedem Fall von den Eltern zu leisten, und nicht vom Staat. Tuente erläuterte auch noch die Praxis der Segnungszeremonie, wie sie von der Family Federation auch für bereits verheiratete Paare angeboten wird.
Hochzeit, eine hohe und heilige Zeit im Leben des Menschen
Bhai Jagmeet Singh und Satbir Kitty von der Sikh Religionsgemeinschaft erklärten nicht nur in Worten Ehe und Familie in ihrer Religion, sondern gaben auch gleich zwei gesangliche Kostproben der Liturgie, die bei der Vermählung Verwendung findet. Für Anhänger der Sikh hat Heirat eine tief religiöse Bedeutung. Mit Gottes Segen verschmelzen zwei Seelen und werden eins. In der Sikh Gemeinschaft, so Kitty, bleibt die Scheidungsquote unter 5%. „Der Ehepartner ist ein Teil von Gott. Deshalb ist eine Heirat immer auch eine Heirat mit Gott und deshalb heilig.“ Mit dem klassischen Tasteninstrument und den beiden Trommeln gab es zum Schluss eine Vorführung des „Hochzeitsgesangs“. |