Am 24. Juli 2010 fand eine kleine, aber feine Veranstaltung der UPF-Deutschland e.V. im Bürgerhaus Gießen-Kleinlinden statt. Mark Bramwell moderierte die Veranstaltung sehr souverän. Drei Referenten kamen mit inspirierenden Vorträgen zu Wort und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

Als Einleitung zeigte Herr Bramwell einen 7-minütiger Film über die weltweit operierende UPF (Universelle Friedensföderation), der es um das Erkennen gemeinsamer Kernprinzipien gehe und als Folge dieser Erkenntnisse Netzwerke und fruchtbare Kooperationen entstünden. Um des Allgemeinwohls Willen sollen dabei politische, religiöse und kulturelle Grenzen außen vor bleiben.

Der erste Referent, Herr Karl-Christian Hausmann, Vorsitzender von der UPF-Deutschland e.V. und CDU-Vorsitzender von Stuttgart-Ost referierte zum Thema „Frieden durch Altruismus“. Wenn man wisse, dass mehr als 6200 Lobbyisten versuchten die deutsche Politik zu beeinflussen, dann sei auf den ersten Blick wenig Altruismus erkennbar. Von einer Volkspartei sei aber zu erwarten, dass sie das Allgemeinwohl im Auge behalte, erklärte Hausmann. Nach einer kurzen, gut verständ-lichen Analyse des gesellschaftlichen Ist-Zustandes führte Hausmann die Zuhörer ein wenig in Richtung philosophischer Betrachtungen über das grundsätzlich gute Wesen des Menschen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche, herzliche Begebenheiten, beispielsweise die Geburt seines ersten Kindes, ließen die Zuhörer aufhorchen. Die Frage, wie Politik dazu gebracht werden könne, dass sie das Allgemeinwohl zuerst im Sinn hat, führte den Vortragenden zurück zum Einzelnen und der heute umso bedeutenderen Institution „Familie“. Altruismus benötige eine bestimmte Umgebung. Hausmann sprach in diesem Zusammenhang von einem „sozialen Uterus“, wo Kinder durch liebevolle Vorbilder lernen die Balance zwischen Egoismus und Altruismus in einem gesunden Maße zu halten. Moderne Familienpolitik reiche da nicht aus. Weltweit gesehen bezeichneten sich 84 Prozent aller Menschen als religiös. In den Religionen gäbe es „nicht verhandelbare Gewissheiten“ und Kompromisse würden oft nicht positiv angesehen. Das sei ein Dilemma. Die UPF-International bemühe sich genau an dieser Stelle und erinnere Politiker an höchste Handlungsmaxime. Als Politiker müssten wir uns mit Religionen auseinandersetzen und verstehen, wie sie in der Gesellschaft wirkten. Die Harmonisierung interreligiöser Prinzipien spielten jetzt und in der Zukunft eine sehr wichtige Rolle, denn allen Religionen ist die „Familie“ sehr wichtig und sie propagierten Techniken zum Erlernen von Mitgefühl, Verantwortung und Liebe für die Mitmenschen und die Schöpfung. Zum Schluss bemerkte Herr Hausmann, dass die UNO nur effektiv funktioniere, wenn sie die Weisheiten der Religionen beachte. In unserer heutigen Zeit sei eine Konvergenz zwischen religiösen und naturwissenschaftlichen Werten erkennbar.

Nach einer kurzen Pause in der Erfrischungen angeboten wurden kam Herr Dominik Fritsch vom tibetischen buddistischen Zentrums Staufenberg zu Wort. Sein Thema war: „Frieden durch innere und äußere Abrüstung“. Er vertritt die Positionen des tibetischen Buddismus, aber es gäbe Über-schneidungen mit anderen Religionen. Fritsch betonte, dass Inneres und Äußeres sehr eng miteinander verbunden wären und wir in unserem Streben nach persönlichem Glück immer daran denken sollten wie sehr unsere Interessen mit denen der anderen tangierten. Wie wichtig das Üben von Mitgefühl, Liebe und Respekt sei erläuterte Fritsch so, dass Menschen mit Macht, Reichtum und Einfluss auf der äußeren Ebene doch innerlich sehr unglücklich sein könnten. Hingegen könne ein Mensch, der auf der inneren, geistigen Ebene glücklich und zufrieden sei, äußere Schwierigkeiten wie beispielsweise Armut und Krankheit leichter ertragen. Deshalb sei es vor allem wichtig in sich selbst die Fähigkeiten wie Mitgefühl, Liebe und Respekt zu erlangen. Fritsch nannte eine Methode, wie man das erlernen könne. Man denke an einen Menschen den man wirklich liebt und versuche dieses Gefühl auf andere zu übertragen. Auch im Alltag sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen würde die eigene Wahrnehmung positiv verändern und wir wären besser in der Lage unsere negativen Emotionen zu kontrollieren und Herzenswärme würde spürbar. Die Änderung der inneren Haltung könne die äußere Ebene sehr positiv beeinflussen. Ein gutes Vorbild diesbezüglich sei der Dalai Lama, weil er schon seit 60 Jahren diesen friedvollen Kurs glaubwürdig durchhält. Es gehe darum zur natürlichen Form von Mitgefühl zurückzufinden.

Der dritte Redner war Herr Kai Steffen Atzert der im Vorstand von „AKUMALAM Dorfschulprojekt e.V./Kamerun“ für Finanzen und Marketing zuständig ist. In der Einführung betonte Mark Bramwell, dass er dieses Projekt als Vorbild, hin zu einer Gemeinschaft von Gleichberechtigten sieht. Es seien Anstrengungen von der Politik und praktisch von der Basis notwendig. Nur so würde die Kluft zwischen reich und arm kleiner werden. Der Verein ist noch ziemlich jung, gemeinnützig und finanziert sich zu hundert Prozent aus Spendengeldern, die auch zu hundert Prozent dem Dorf in Kamerun zu gute kämen. In der Präsentation zeigte Herr Atzert was bisher geleistet wurde. Von einem Brunnen mit sauberem Wasser, Schulbänken, Schultaschen für die Kinder, bis zur Bezahlung einer Lehrkraft und vieles mehr. Mit der erfrischenden Art, wie Herr Atzert die Tätigkeiten des Vereins präsentierte belegte er seriös und glaubwürdig, dass diese praktischen, lebenswichtigen und für uns hier selbstverständlichen Dinge tatsächlich verwirklichte Sehnsüchte und Hoffnungen für die Kinder in Akumalam darstellten. ( www.akumalam.org )

Insgesamt ist anzumerken, dass die ausgewogene Veranstaltung mit Beiträgen aus den Bereichen Politik, Religion und praktischer Nächstenliebe den Besuch im Bürgerhaus lohnenswert machten.

Zum Schluss fällt mir noch ein Zitat von Vaclav Havel ein: „Hoffnung ist nicht der Glaube, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, ganz egal wie es ausgeht“.

Gießen-Kleinlinden, den 26. Juli 2010

Peter Valenta